Kolbus Klebebinder mit PUR Leim

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Du bist neu hier? Registriere Dich doch noch heute und diskutiere mit Fachleuten aus Deiner Branche. Buchbinder.club ist und bleibt KOSTENLOS.

    • Kolbus Klebebinder mit PUR Leim

      Hallo Klebebinderprofis,

      vielleicht kann mir einer von euch weiterhelfen- wir produzieren auf unserem Kolbus Klebebinder seit neuestem hauptsächlich mit PUR Leim, wegen der besseren Haltbarkeit.

      Leider haben wir das Problem, dass wir mit sehr hohem Leimdruck fahren müssen um die notwendige Leimdicke zu erzielen, ca. 1mm. Wenn wir, wie empfohlen, mit weniger Leimauftrag fahren (laut Kolbus bzw. Nordson sollten max. 0,5mm ausreichen) ist zu befürchten, dass die Bücher nicht halten. Durch den hohen Druck auf der Auftragsdüse werden die Dichtungen schnell kaputt, die Maschine versaut stark und die Strichlänge ist unsauber. Hat jemand einen Tipp wie man mit weniger Leimauftrag fahren kann und die Leimung trotzdem hält? Vielen Dank im Voraus!
    • bubirookie schrieb:

      Leider haben wir das Problem, dass wir mit sehr hohem Leimdruck fahren müssen um die notwendige Leimdicke zu erzielen, ca. 1mm. Wenn wir, wie empfohlen, mit weniger Leimauftrag fahren (laut Kolbus bzw. Nordson sollten max. 0,5mm ausreichen) ist zu befürchten, dass die Bücher nicht halten. Durch den hohen Druck auf der Auftragsdüse werden die Dichtungen schnell kaputt, die Maschine versaut stark und die Strichlänge ist unsauber. Hat jemand einen Tipp wie man mit weniger Leimauftrag fahren kann und die Leimung trotzdem hält? Vielen Dank im Voraus!

      Hallo bubirookie,

      ihr macht, wie die meisten Anwender am Anfang, den Fehler der zu starken Leimdicke! Im Gegensatz zum Hotmelt darf PUR nur in einer Schichtdicke zwischen 3-4/10 mm aufgetragen werden, sonst sind zum einen die Kosten für PUR zu hoch, zweitens das Aufschlagverhalten (Lay-flat) schlecht.VIEL HILFT HIER NICHT VIEL!!!
      PUR ist ein reaktiver Klebstoff, der im Gegensatz zu Hotmelt nicht durch erkalten, sondern durch eine chem. Reaktion mit dem Luftsauerstoff klebt (vereinfacht ausgedrückt). Das wirkliche Ergebnis der Bindung könnt Ihr leider erst in 12-24 Stunden (je nach Klebstoffqualität) anschauen. Schnittfestigkeit erreichen die gängigen PUR-Leime in ca. 90 Sec., das heist aber nicht, dass man den Buchblock dann schon öffnen kann. Was ihr vorher machen könnt, ist den gebundenen Block mit einem Buchbindermesser zwischen zwei Blättern trennen und die Auftragsstärke über den ganzen Rücken kontrollieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein Auge auf die Rückenbearbeitung zu halten, diese ist ungleich wichtiger bei PUR als bei Hotmelt. Die Nordson-Düse hat sicherlich systembedingt Nachteile gegenüber einer volumetrischen Düse, aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall funktioniert sie, diese Düse läuft in den unterschiedlichsten Bindern vom 1-Zangen-System angefangen. Beckenauftrag wäre am Anfang sicherlich einfacher um ein Gefühl für PUR zu bekommen, dem Becken, "glaubt" man mehr, als der Düse ;-)) Kontrollsysteme für den Auftrag sind schon längere Zeit im Versuch, gibt es aber leider noch nicht. Zu vermeiden ist auch die Berührung von PUR Rückenleim und Hotmelt Seitenleim, das gibt garantiert eine Reklamation.

      Also, ein wenig Vertrauen ins System und in PUR, Hunderte Buchbinder standen vor den gleichen Problemen. Sicherlich ist auch Kolbus und Nordson oder sogar der Klebstoffhersteller bei der Lösung behilflich. Auch wenn das evtl. was kostet, immer noch günstiger als eine Reklamation.


      Gruß

      Joachim
      Das Leben, sag mir nichts über das Leben (Marvin, Roboter)
    • Hallo Joachim,

      danke für Deine ausführliche und kompetente Antwort, ich werde sie mit den Kollegen teilen, ich denke, Du bist sehr überzeugend! Der Support von Nordson bzw. Kolbus ist in Österreich eher nicht so toll, weil es nicht so viele Anlagen gibt ist auch das Angebot an Spezialisten eher dürftig. Dazu fällt mir noch eine Frage ein: wie kann man die Leimschichtdicke zuverlässig messen?



      Gruß und Dank zurück, Rookie
    • Joachim 29 das haste zwar schön erklärt,aber das Nordson Pur System ist ehrlich gesagt eine Krankheit ....wir schlagen uns seit ca 8 Jahren herum...die Seitenleimung funzt bei uns seit Jahren nicht mehr ,der Leimauftrag vom Rückenleim ist stark abhängig wie alt das Fass im Premelter ist ,wenn wir mal alle 2 Monate nen Pur -Auftrag binden müssen wir mit Drücken von bis zu 60 bar fahren (wir stellen die Leimauftragsstärke auf ca.6 Zehntel ein) dazu kommt noch das die Firma Nordson Ersatzteilpreise ausruft die man getrost als "Wucher" betiteln kann ...bei uns ist ein Druckelement im Fassschmelzer defekt wir müssen das Fass wechseln obwohl ca. 15 cm Füllhohe noch Pur vorhanden ist ...das Ersatzteil kostet ca 6000 € .........Wegen der Leimschichtdicke messen,sprech deinen Abteilungsleiter an; der muss Lupen (oder auch"Fadenzähler" verteilen) wo mit man den Leimauftrag in Zehntel messen kann......wir kerben Pur-Aufträge nur mit ca.3-4 zentel ein;haben aber mit dem Müller -Martini Binder noch eine
      Fibre Rougher -Station die den Buchrücken noch einmal um ca. 0,2 mm einkerbt......es wäre interessant zu wissen mit welchem Nordson-System ihr arbeietet........
    • Pur-Schnüffler schrieb:

      Joachim 29 das haste zwar schön erklärt,aber das Nordson Pur System ist ehrlich gesagt eine Krankheit ....wir schlagen uns seit ca 8 Jahren herum...die Seitenleimung funzt bei uns seit Jahren nicht mehr ,der Leimauftrag vom Rückenleim ist stark abhängig wie alt das Fass im Premelter ist ,wenn wir mal alle 2 Monate nen Pur -Auftrag binden müssen wir mit Drücken von bis zu 60 bar fahren (wir stellen die Leimauftragsstärke auf ca.6 Zehntel ein) dazu kommt noch das die Firma Nordson Ersatzteilpreise ausruft die man getrost als "Wucher" betiteln kann ...bei uns ist ein Druckelement im Fassschmelzer defekt wir müssen das Fass wechseln obwohl ca. 15 cm Füllhohe noch Pur vorhanden ist ...das Ersatzteil kostet ca 6000 € .........Wegen der Leimschichtdicke messen,sprech deinen Abteilungsleiter an; der muss Lupen (oder auch"Fadenzähler" verteilen) wo mit man den Leimauftrag in Zehntel messen kann......wir kerben Pur-Aufträge nur mit ca.3-4 zentel ein;haben aber mit dem Müller -Martini Binder noch eine
      Fibre Rougher -Station die den Buchrücken noch einmal um ca. 0,2 mm einkerbt......es wäre interessant zu wissen mit welchem Nordson-System ihr arbeietet........


      Ich habe ja gesagt, das die Nordsondüse ein paar systembedingte Nachteile hat. Das größte Problem ist sicherlich, das es zum einen zu alt ist, es war halt der erste Versuch solch ein System in einem Klebebinder einzubauen, zum zweiten ist sie nicht volumetrisch, Alle "Mitbewerber" (Robatech, SM-Klebetechnik) haben mittlerweile solche Systeme. Seitenleim an Pur-Bindern der älteren Generation stellen immer nur eine Art Provisorium da, richtig funktionierende PUR-Seitenleimdüsen sind erst seit ca. 1,5 Jahren auf dem Markt erhältlich, vorher waren es viele Versuche... Über Hotmelt-Seitenleim in Verbindung mit PUR-Rückenleim wollen wir mal nicht sprechen (vor allen Dingen bei Verbindung ;-))) ) In einigen kleinen Bindern ist der Düsenschlitz so ausgelegt, das Leim seitlich auf das erste und letzte Blatt überquillt und dann als Seitenleim herhalten muss, nicht so ganz schön, aber immer noch besser als Hotmelt. Diese Düsen sind Eigenentwicklungen der Hersteller/Konstrukteure, z.B. FKS , Heidelberger, Schmedt und einigen anderen die im 1-5 Zangen Bereich arbeiten. Größere Binder (z.B Horizon, Wohlenberg) ab 4 Zangen werden z.T. immer noch mit Nordson oder auch schon mit der SM-Düse angeboten.
      Zur Rückenbearbeitung bei Pur-Bindung; Idealerweise wird gefräst, egalisiert und dann mit Vielzahnwerkzeugen - bei MM Fiber Rougher - nicht gekerbt, sondern nur die Fasern freigelegt, wie gesagt im Idealfall. Die Wirklichkeit hat mir (leider) auch schon andere Ergebnisse gezeigt, die nicht dazu beigetragen haben das Bindeergebnis gut aussehen zu lassen. Aber das muss jeder für sich und für das jeweilige Produkt/Material entscheiden.
      Für die Leimschichtdickenmessung eignen sich wie schon gesagt ein sog. Fadenzähler, bekannt aus dem Drucksaal oder auch spezielle Messlupen, die eine feinere Messteilung am Sockel hat, gibt/gab es schon mal als Give-away bei Klebebinderherstellern, gibt es aber garantiert irgendwo in den diversen Zubehörshops zu kaufen, oder mal den Klebstoffhersteller/lieferant fragen.

      Gruß

      Joachim
      Das Leben, sag mir nichts über das Leben (Marvin, Roboter)
    • Hallo zusammen,

      nochmals danke für eure wertvollen Ratschläge, Fadenzähler mit Zehnteleinteilung SOLLTEN wir eigentlich haben, leider kann keiner der Maschinenmeister seinen gerade finden.... möglicherweise liegt das Problem darin mitbegründet.... werde aber umgehend neue "organisieren".

      Zum System: wir haben einen vier Jahre alten (jungen) Kolbus Publica 12000, PUR System: Nordson Dura Drum, LA 404-2 mit Zahnradpumpe, also an der Technik kanns eigentlich nicht liegen..... wir fertigen (seit Joachims Beitrag) bei jedem Auftrag einige Exemplare mit weniger Leimschichtdicke (ca. 0,5mm, geschätzt, siehe oben :| ), lassen sie 24 Stunden liegen und machen dann den Pull-Test in Beisein der Kollegen... mal sehen, vielleicht wirkt sich das vertrauensfördernd aus....



      Schöne Grüße, Rookie
    • Mit den Messlupen das solltet ihr unbedingt focussieren ohne dem ist es ein "No,no" überhaupt zu produzieren,selbt bei Hotmelt-Produktionen überprüfen wir den Leimauftrag mit der Lupe...mir ist da noch etwas entscheidendes eingefallen wegen zu hohen Drücken fahren, überprüft doch mal bitte den Filter für den Pur-leim( wo der genau bei eurem System sitzt kann ich leider nicht sagen,bei uns ist die Filterpatrone ca.150 x 20 mm gross, und sitzt an der Düsenstation rechts unten an der Seite )gerade bei häufigen Unterbrechungen ( ich meine das Spülen mit dem blauen Pur-Cleaner 8) ) kann es vorkommen das sich beim hochfahren des Fassstempels schon abgebundener Pur-leim sich lösen kann und in das Fass zurückfällt,das alles wird sich natürlich in der Filterpatrone ansammeln und auch dafür sorgen das ihr mit Drücken arbeiten müsst die jenseits von "Gut und Böse" sind. Wegen des Leimauftrages natürlich wurde uns auch erklärt das ca.3 bis 4 Zehntel ausreichen für eine gute Verbindung zwischen Inhalt und Umschlag aber irgendwie aus praktischer Erfahrung schrauben wir den Wert hoch ab einer Buchblockstärke von ca 8 mm zumal wir manchmal bei Werken von 20 mm Stärke eine Treppenbildung haben die sich eigentlich so richtig keiner erklären kann.
    • Ich arbeite zwar nicht mit einer Nordson-Düse, möchte hier mal trotzdem meine vorgehensweise darstellen:



      Beim Grundeinrichten der Düse achte ich darauf das sie senkrecht auf den Rücken spritzt, danach stell ich mit einem 4-Zehntel Blech (hab extra ein langes Blech, gibts im Werkzeughandel, gekauft da man sonst schlecht messen kann) die Düsenhöhe ein. Ihr arbeitet noch mit Kerbmessern, die habe ich max. auf 0,1mm stehen oder darunter.

      Da PUR-Düsen nur ein gewissen Auftragsbereich haben engt man sich den ein wenn man die Kerbmesser über 0,1mm stellt. Vorteile bringt es keine, nur Nachteile.



      Beim Einrichten kontrolliere ich wie oben beschrieben die Leimdicke,dazu binde ich 2 Bücher und warte ca. 2 Minuten, danach schneide ich eins auf und kontrolliere Leimdicke ca. 0,4-max 0,6mm und auf Leimlöcher. Vom Zweiten Buch trenne ich Umschlag sowie 1. und letzte Blatt. Dabei kontrollier ich ob das 2. und vorletzte Blatt hält und das die Leimkante nicht zackig ist, also schön glatt ist. Sollte dies nicht der Fall sein stimmt die Höhe der Leimdüse nicht oder der Düsenschlitz ist falsch eingestellt..



      Das was ich beim einrichten kontrollier wird auch während der Produktion kontrolliert, allerdings teste ich meist nurnoch ob das 2. und vorletzte Blatt hält, dabei mache ich kein Buch kaputt und die Auflage wird voll.



      Man kann den Leimfilm gut vor der Anpressung sehen bei voller Produktionsgeschwindigkeit, nach einer Weile bekommt man dafür ein Auge. Vorteil dort ist zusätzlich das man den Seitenleim genau sieht und das Werk eventuell tiefer oder höher fahren kann.



      Hoffe das war ein wenig hilfreich