Schachteln, Kisten und Kassetten

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    • Schachteln, Kisten und Kassetten

      Welcher Buchbinder würde nicht gerne mal zwischendurch ein Schächtelchen bauen? Leider fehlt dazu meist die Zeit und Muße, und so greift man halt schnell mal zur 0815 "Weltbild"- oder "Aldi"- Schachtel im 3-er Set zu 4,99 €.
      Derweil ist die Welt der Schachteln genauso vielfältig wie die der Bücher und für ein originelles Exemplar zahlt der Kunde auch mehr als 4,99 €.


      • Wann habt Ihr welche Schachtelart zuletzt gebaut?
      • Hat jemand von Euch noch seine im ersten Lehrjahr gebaute Übungsschachtel?
      • Benützt ihr sie noch?
      • Kennt jemand die sogen. Jakobs-Schachtel (siehe Blogeintrag) und hat sie womöglich schon einmal gemacht?
      So, aufgeht's Leute! Der Herbst ist da, die Gartenarbeit hat gleich Pause und ........... Weihnachten steht vor der Tür! :D

      LG Papierfrau
    • Hallo,
      sieht Klasse aus. War bestimmt ne riesige Tüftelarbeit. Wie viele Versuche waren denn bis zum Endprodukt notwendig ??
      Und zu Deiner Frage. Meine Schachtel: - ein Stülpdeckelkasten mit Hals und Luft aus dem Baujahr 87 existiert immer noch und sieht noch aus wie fast neu.
      Letzte Schachtel-Arbeit war ein Kasten für die Wand mit Schräger Klappe um alle Dokumente für unsere neue Heizung zu beherbergen. Foto folgt...

      Bis denne...
    • Hmm...da habe ich ein "gespaltenes Verhältniss" als Azubi´s durften wir immer Zettelkästen im Din A 6 Format anfertigen(würg) mit Deckel und mit Leinen bezogen für "Herren" inner Perso-abteilung oder im Verkauf ....mein Highlight war damals für mein Prüfungsmuster (Halbledereinband) ein Schuber der den Durchhang des Buchblocks ausgleicht.......
    • Hallo zusammen !
      mmmmmh , Schachtelbau ! könnte mich nicht erinnern je eine gebaut zu haben .
      Aber der Winter ist lang vieleicht versuch ichs mal .
      @ Papierfrau : Sehr schönes und interessantes Stück ! Bin bis jetzt nie auf die Idee gekommen eine Schachtel zu bauen ,die zwei Deckel hat !
      funktioniert das so wie bei einem Doppelbuch ?
      Mfg. André
    • Hi,

      also ich hab meine letzte Schachtel vor ca. 2 Wochen zusammen gesetzt da ich mich ärgerte das ich immer auf der Suche nach einen Kuli oder Bleistift war. Ist nichts besonderes 9 x 9 x 9cm, aber die Stifte haben jetzt ihren Platz. Eigentlich ist sowas optimal zur Resteverwertung. :thumbsup:

      Im Sommer hab ich auch mal mit Schmuckschatullen mit gewölbten Deckel begonnen aber da ist mir das schöne Wetter dazwischen gekommen aber da gehts jetzt dann weiter muss ja bis Weihnachten fertig werden 8)

      Ja ich hab auch noch viele meine Übungskästen aus der Lehrzeit und natürlich sind die auch noch im Einsatz. Bei uns war es immer so wenn keine Bücher zu machen waren und wir als Lehrlinge nicht an den Maschinen gebraucht wurden mussten wir oft Kästen bauen. Das hab ich eigentlich immer gern gemacht, war besser als wieder ein Buch mit leeren Seiten, da wir da machen konnten was wir wollten und wir durften sie immer mit nach Hause nehmen.

      Zu deiner Jakobs Schachtel die sieht toll aus! Wenn ich mal fragen darf wie lange arbeitest du an so ein Werkstück hin und was für einen Preis verlangst du dann?

      MfG

      bubi-TS
    • Ha, schön, daß von Euch noch soviele ihre Erstlingswerke in Sachen Schachtel aufheben und gebrauchen können. Ich bin ja der Ansicht, daß man eine Schachtel, egal welches Format, immer brauchen kann . ( Ich hab jetzt absichtlich "Format" und nicht "Alter" geschrieben, räusper)
      @Falzguru
      Vorversuche gab es keine. Die ersten 3 Stück habe ich auf dem ersten Markt der folgte verkauft. Die zweite Serie war bestellt und sollte für Kinder sein. Also klein und preisgünstig. Dafür habe ich die Größe passend für 3 Streichholzschachteln genommen und eine "Light-Version" gemacht. Auf dem Foto ist nun die 3. Version zu sehen. Ich hab aber noch eine 4. im Kopf. Die kommt dann dran wenn die 3. verkauft ist und ich wieder Lust auf Tüftelei hab*g*.

      @Script
      das sind nicht zwei Deckel, das ist nur einer, der sich auf beide Seiten hin öffnen läßt. Lose abheben kann man ihn aber nicht. Es gibt auch einen Schachteltyp mit 2 oder 3 Deckeln. Eine rechteckige Schachtel mit 3 dreieckigen Deckeln :) Hört sich komplizierter an als es ist.

      @Bubi-TS
      eine runde Dose mit gewölbten Deckel, das ist auch noch eines meiner Pläne für die Zukunft. Ich habe aber noch keine Idee, wann und ob ich das je umsetzen werde.
      Der Preis für so konstruierte Schachteln ist immer eine schwierige Geschichte. Meine erste Variante mit einer Länge von etwas 30cm kostete 30,-€, die zweite nur 15.- €, die dritte nun 28,-€. Das war vielen Kunden zu teuer.... aber eben nicht allen :-). Wie lange ich da dransitze kann ich nicht genau sagen, aber ich schätze es sind schon 4h pro Stück, Die "Easy-Version" ging schneller, war aber auch nicht so befriedigend für mich.
    • Achja der Preis! Also ich finds extrem preiswert! (Eigentlich sollte ich gleich ein paar bestellen!*g*) Aber ich weiß halt was da Arbeit dahinter steckt.
      Das ist halt das schlimme mit den Billig-Asia-Müll der den Markt überschwemmt und die Leute vergleichen das dann immer damit. Gottseidank gibt es immer noch ein paar Leute die ein Auge für so etwas haben und auch bereit sind dafür einen angemessenen Preis zu zahlen.

      Ich hadere oft mit dem Preis meiner Arbeit. Ich denk mir dann einfach ich krieg nichts geschenkt und ich hab auch nichts zu verschenken.
    • @Papierfrau:
      Wußte garnicht das Buchbinder Schachteln herschenken. 30€ für 4h Produktion. Das sind 7,5 € Brutto für die Arbeitszeit. Da muß man aber noch Material, anteilige Kosten für die Werkstätte und die Zeit für den Verkauf dazurechnen. Dann ziehen wir mal schnell noch Steuer und Sozialabgaben ab und dann ist es schon intelligenter in der Sonne zu sitzen und sich diese auf den Bauch scheinen zu lassen. Es ist echt ein Wahnsinn wie zeitaufwendig das Buchbindehandwerk ist.
      Mein Blog über meine 1. Versuche als Buchbinder.
    • Hallo,
      ich habe auch noch alle meine Schachteln die während meiner Ausbildung entstanden sind und habe gerade festgestellt das ich schon einige Jakobs-Schachtel hergestellt habe. Ich wusste nur bis eben nicht das sie so heißen ^^. Meine letzte Schachtel die ich gemacht habe war ein Projekt zum Thema Magnete. Ist eine tolle Idee und nur zu empfehlen für alle die keine Lust auf das gefummel mit dem Scharnier haben. ;)
    • In meiner Lehre haben wir große Kästen für das Folkwang Museum gebaut. Die Kästen eigneten für Zeichnungen bis 50 x 70 cm. Damit diese Dinger nicht schon im leeren Zustand zu schwer wurden haben wird Holz anstelle der schweren Graupappe verwendet. Das Sperrholz lies sich wirklich gut verarbeiten. Am liebsten hatte ich aber kleine Kästen mit selbst marmoriertem Leinen. Alle kleinen feinen Kästchen die ich gemacht habe, habe ich verschenkt.

      Es gibt noch eine große Vergoldekiste. Die Kisten ist (vielleicht 50 x 30 x 20 cm) mit Bibliotheksleinen bezogen. Und weil mir das nicht reichte habe auf den großen Flächen ich Elefantenhaut eingelegt. Das Bibliotheksleinen ist noch gut aber die Elefantenhaut löst sich ab und sieht ziemlich uselig aus.

      Wir haben damals verrückte Sachen gemacht. Taschen nähen war etwas besonders Schönes. Es hat lange gedauert bis man etwas Ordentliches zusammen hatte, aber dann konnte man stolz sein. Wir haben auch Bilderrahmen gefertigt. Und dann gab es noch etwas Besonderes. Dicke Bücher mit Sprungrücken. Das war das Beste.

      Buntpapier
    • @Bubi-TS
      ja, die Leute vergleichen, also mußt du immer versuchen etwas zu machen, das nicht so leicht mit Asia-Müll vergleichbar ist .. und was nicht grad ausschaut wie mit Papier überzogene hölzerne Zigarrenschachteln!
      @Georgius
      Mit deiner Rechnung hast Du sicher recht und eigentlich müßten da noch etliche Stunden "Kopfarbeit" dazugerechnet werden, denn schließlich muß man sich ja vorab schon Gedanken machen wie man eine verzwickte Arbeit elegant und präziese lösen kann. 4h Arbeitszeit sind geschätzt, denn ich schau nicht auf die Uhr bei solchen Arbeiten. Wenn ich so etwas herstelle, dann ist es Freizeit und Lust am Machen und natürlich will ich die Sachen auch verkaufen und nicht nur austellen. Wenn Du mal jemanden auf einem Hobbykünstlermarkt in einer ländlichen Region findest, der keine Ahnung von Bubi-Arbeit hat und dir für diese Schachtel 60,-€ bezahlt... dann lass es mich wissen ;-).
      @Cacira
      das ist wirklich ein super Idee auch wenn man so ein mehrteiliges Schreibtischset herstellen soll. ICh hab mir das mal in meinem Ideenbüchlein notiert. Eigentlich steh ich ja mit Magnet immer noch auf Kriegsfuß. Ich arbeite gerne mit Bubi-Leinen und so mancher kaschierte Magnet gibt da einfach zuviel seiner Kraft ab. Aber ich arbeite daran :)
      @Buntpapier
      oh, selbst marmoriertes Leinen habe ich erst einmal bei einer Buchbinderin gesehen und fand das sooo schön! Eigene Versuche scheiterten bislang an der Papierkaschierung. Inzwischen hab ich aber unkaschiertes Leinen hier liegen und es ist nur noch eine Frage der Zeit....
      Taschen nähen, Sprungrückenbuch ... da hattest Du aber wirklich eine gute Lehrzeit. Diese Sonderarbeiten habe ich mir vor Jahren selbst mühsam zurechtgeschneidert ... und erfolgreich verkauft. Ich glaube das waren die ersten Teile die ich damals übers Netz verkauft hab.
    • @Papierfrau

      Ich habe einfachen Stoff genommen und dann das Papier mit dem Klebstoff, mit dem man auch Kunststoffe bedingt kleben kann, aufkaschiert. Dieser Klebstoff hat auch wenn er trocken ist eine sehr hohe Adhäsion. Ich habe das Papier mit dem Klebstoff nicht zu dick eingeschmiert und kurz erst vor dem Abbinden kaschiert. Das Marmorieren habe ich egal ob es Papiere, Stoffe, Kästen oder Buchschnitte waren immer in einer selbstgebauten Wanne und einem selbstgebauten Kamm gemacht. Zuerst habe ich Tapetenkleister (aber nur den lila Metylan!) ziemlich stramm (Mischung für schwerste Tapeten) angerührt und mindestens eine Nacht stehen lassen. Das gibt dann eine zähe Masse, die aber eine glatte Oberfläche hat. Dann habe ich Ölfarben von Schminke verdünnt und auf den Kleister geträufelt. Und dann kam der 70 cm lange Kamm zum Einsatz. Nach dem Marmorieren sieht man keine Flecken auf dem Stoff. Der Kleister zieht gut ein. Und wenn die Ölfarben nicht zu dick aufgetragen werden, gibt es keine glänzenden Stellen auf dem Stoff.

      Es müßte noch eine Tasche von mir geben. Ich versuche ein Foto zu organisieren.

      Buntpapier
    • @Buntpapier,
      danke für deine Information. Bisher hab ich demzufolge meine Versuche auch mit dem falschen Marmoriergrund gemacht. Ich hab den Kleister immer selber gekocht und dann verdünnt bis er etwa die Konsistenz von Carrageen hatte - lag ich ja völlig falsch damit!
      Nun gut, sobald ich wieder Luft habe starte ich damit erneut und werde berichten. Kann aber noch dauern, denn bis nächstes Jahr so gegen Sommer bin ich ausgebucht.
      Vielen Dank !
      LG Papierfrau
    • @Georgius
      Oh, ich habe mich malwieder verschrieben. Der Name des Herstellers ist Schmincke mit "ck". Das sind Künstlerfarbe die auf Öl basieren. Da meine damalige Freundin im Prinzip "Kunst" studierte habe ich nebenbei viel über Farben gelernt. Ölfarben kann man einfach mit Verdünnungen (Terpentin, Pinselreiniger, etc.) die auch auf Öl basieren verdünnen.
      Buntpapier
    • @Buntpapier,
      danke für das Zeigen deiner Werke. Die Tasche ist ja wirkllich klasse ausgetüftelt - welch Heidenarbeit! Soweit ich das erkennen kann hast Du die Nähte auch alle von Hand gemacht, oder? Bei so dickem Leder bräuchte man doch eine eigene Ledernähmaschine. Hattet ihr sowas im Betrieb?
      Meine Zähne werden immer länger wenn ich das marmorierte Leinen sehe *gg*. Sieht schon klasse aus sowas. Ich bräuchte jemanden der mir für ein paar Wochen den Haushalt übernimmt..... oder den Tag um 12h verlängert :-).
      Wenn die nächsten Kunsthandwerkermärkte vorbei sind krame ich mal in den Tiefen meiner Werkstattschubläden, vielleicht finde ich den Prototyp meiner Geldbörse wieder. Ich glaube den habe ich (noch) nicht entsorgt. Dann gibt's auch Fotos.
      LG Papierfrau
    • @Papierfrau
      Das Nähen dauerte wirklich lange. Zuerst wird mit einem v-förmigen Stückholz (mit Spucke angefeuchtet) die Naht aufgemalt. Dann wird das Loch vorgestochen. Zum Nähen habe ich immer zwei Nadeln benutzt. Der Faden wird gut mit Bienenwachs eingerieben. Ich habe an der Tasche etwa 3 Monate und nur in meiner Freizeit genäht. Es gab wohl nicht einen Tag an dem ich nicht wenigstens eine Stunde genäht habe. Stolz bin ich immer noch auf den Tragegurt. Auch den habe ich aus zwei Lagen Leder ganz durch genäht. Mein Meister sagte mir, dass auch Gürtel früher so gemacht wurden. Deshalb habe ich es probiert. Und heute sehe ich Gürtel mit anderen Augen.
      Buntpapier
    • Holla die Waldfee !
      Die Tasche ist echt super !
      Ich dachte Taschenbau ist ehr etwas für Polsterer und Sattler . Entschuldigt bitte die Frage , aber wie kommen Buchbinder zu so einer Arbeit ? und was fällt noch alles in den Bereich der Buchbinder ?
      Bin jetzt richtig erstaunt . Gut Leder wird ja auch für Einbände verwendet und das Wachsen des Zwirns kenn ich auch .
      Mfg. André