Rostflecken im Papier durch Drahtklammerheftung

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    • Rostflecken im Papier durch Drahtklammerheftung

      Mich an die hiesigen Experten wendend frage ich mich, wie sich die durch Drahtklammern verursachten Rostflecken im Papier entfernen lassen. Mit einer einfachen Wässerung verblassen sie zwar, jedoch nur leicht. Mitunter sehen sie - je nach Größe - auch sehr unschön aus. Ich bin mir nicht sicher, ob es (chemisch) Sinn macht, derartigen Rost zu entfernen; meine aber, dass Rost nicht ins Papier gehört und ihm auch nicht besonders gut tut. Wie könnte ich das auf möglichst schonende Weise erledigen?

      Im Bereich der übrigen Restaurierung außerhalb der Welt des Papiers arbeite ich bevorzugt mit HEDP, einer Phosphonsäure, bei der die durch Rostumwandlung gebildeten komplexen Salze anschließend wieder mit Lauge neutralisiert werden. Nun ist das ja aber bei Papier so eine Sache... ich will es nicht unbedingt noch zusätzlich säuern oder anderweitigen aggressiven Prozessen aussetzen. Wie kann ich dem Rost dennoch zu Leibe rücken?

      Vielern Dank vorab!
      Herzliche Grüße
      Silko
    • Hallo Silko,
      willkommen auch hier im Club. Wir kennen uns ja bereits :sch39: .
      Also wie Du schon richtig geschrieben hast ist zu überlegen ob es Sinn macht Rostflecken auf Papier im Bereich der Heftung zu entfernen. Den Ursacher hierfür sollte man natürlich schon entfernen! Mit dem Wässern entsäuerst Du bereits die Stellen und es wäre wohl angebrachter über eine Pufferung nachzudenken als über eine Entfernung der Verfärbung mittels irgendwelcher Mittelchen. Natürlich gibt es eine Reihe von chemischen Möglichkeiten zum Entfernen von Rostflecken, aber sie alle haben Unsicherheitsfaktoren.
      Vielleicht kann dir ein Graphikrestaurator mit entsprechend ausgerüsteter Werkstatteinrichtung (Vacuum- und Absaugtische) weiterhelfen.
      Ich persönlich würde es nicht machen, aber Du kennst ja bereits meine Einstellung zum Thema Flecken entfernen und Bleichen u.s.w.

      LG Papierfrau

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Papierfrau ()

    • Hallöchen! Dank für den Willkommensgruß und vor allem für Deine - wie immer einleuchtende - Meinung.
      Du hast ganz sicher Recht. Papier wird das nicht mögen. Zudem sind ja auch diese Flecken ein Teil der Geschichte des Buches oder zumindest der damals verwendeten Technologie. Muss man ja nicht unbedingt "kaschieren". Dass die Flecken nicht ganz verschwinden, ist halt für mich ein Indiz, dass der Rost noch vorhanden ist, weshalb ich davon ausging, dass er dem Papier weiter schaden würde. Aber das Wässern und Entsäuern dürfte reichen.
    • Hallo!

      Was das wässern betrifft hätte ich eine Frage. Vor langer Zeit habe ich gelesen, dass man Papier bei der Restaurierung versucht basischer zu machen. Dadurch wird es wieder haltbarer, oder so. Ich habe auch gelernt, dass es dafür zum Beispiel Kaliumpermanganat gibt. So wie ich das verstanden habe wird das Papier aber dabei gefärbt. Wie kann man das Papier denn dann wieder entfärben. Oder gibt es heute andere Mittel?

      Danke
    • Hallo Auslage,
      Kaliumpermanganat ist ein Bleichmittel bei dem sich während der Behandlung das Papier dunkelviolett färbt. Wenn man diese Bleiche nicht neutralisiert verfärbt sich das Papier dann beim Trocknen hell- bis dunkelbraun fleckig (gibt einen tollen Vintageeffekt). Daß dadurch das Papier basisch wird ist mir neu.
      Ich glaube irgendwo bringst Du da etwas durcheinander?

      LG Papierfrau
    • Beim übermangansauren Kali steht sicher der Bleicheffekt im Vordergrund. Das Kaliumpermanganat zerfällt bei Gegenwart zu bleichender Substanzen langsam in Braunstein (für die Braunfärbung verantwortlich) und aktiven Sauerstoff (für die Bleiche verantwortlich). Nebenher bildet sich Kalilauge, die für eine gewisse Pufferung des Bleichbades sorgt. Die Lauge reagiert aber aufgrund der Entsäuerung mit den "herausgezogenen" Rest-Säuren. Die Pufferungs ist nicht sehr beständig. Insbesondere auch wegen der sich anschließenden notwendigen Neutralisations- und Spülbäder.

      Zum Bleichen ist es gut geeignet. Für eine basische Pufferung muss man sich etwas anderes aussuchen. Die dennoch so behandelten Blätter kann man vollständig vom Braunstein befreien mit schwacher Natriumhydrogensulfit-Lösung. Dabei geht die Färbung vollständig verloren und man sieht dabei das Bleichergebnis sehr schön.

      Ich würde diese Mittelchen nicht verwenden, da beide Stoffe nicht unbedenklich sind. Außerdem lässt sich der ganze Prozess nur schwer verfolgen, weil man durch die tiefviolette Färbung der Lösung nichts erkennt. Zudem verläuft die Bleiche in saurer Lösung zu aggressiv und faserschädigend, weshalb man vorher bereits entsäuern sollte.
    • Danke für die Korrektur. Ich habe das wirklich durcheinander gewürfelt. Es ist schon lange her, dass ich das Buch Buchrestauration von Wächter gelesen habe. Irgendwie sind die Bäder im Kopf etwas verschwommen.
      Und jetzt habe ich noch etwas anderes gelernt. Natriumhydrogensulfit ist auch E222! Ups. Da bleibe ich doch bei frischen Lebensmitteln.
      Danke sagt die Auslage!