Wer kennt von euch zweiteilige Planschneidermesser(Vario-Cut)?

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    • Wer kennt von euch zweiteilige Planschneidermesser(Vario-Cut)?

      Hi,

      mir ist heute ein Prospekt in die Hände gekommen von einem zweiteiligen Planschneider Messer und mich würde interessieren ob jemand hier von euch Erfahrungen hat?
      Ich persönlich stehe dem ganzen eher ein bißchen Skeptisch gegenüber aber lasse mich gerne eines besseren belehren.

      Für die Leute die das ganze nicht kennen dabei handelt es sich um ein Messer das aus zwei Teilen besteht ich nenns mal den Messerträger und die Klinge und beides wird miteinander verschraubt, wobei der Messerträger immer in der Maschine verbleibt und nur die Klinge gewechselt wird. Das ganze soll halt den Vorteil haben das man auch schnell mal eine andere Klinge reinmachen kann die in einem anderen Winkel geschliffen ist oder aus einem anderem Material und so besser auf die verschiedenen Schneidmaterialien zu reagieren zu können.

      Gruß Bubi-TS
    • Hallo Bubi-TS!

      Ich glaube diese Messer mit Wechselklingen sind seit mindestens 5 Jahre auf dem Markt.
      Zuerst hat man versucht die Etiketten-Hersteller von diesem damals neuen Geschäftsmodell zu überzeugen. Das liegt daran, dass Etikettenhersteller die höchsten Standzeiten (40.000 Schnitt bis zum nächsten Schleifen ist normal) von Messern haben. Etikettenhersteller haben in der Weiterverarbeitung nur Maschinen mit Messern (Stanzen und Schneidemaschinen) und Verpackungsgeräte. Schon allein deshalb sind sie wirklich die absoluten Profis im Bereich Messer und schneiden.
      Die Messer mit auswechselbaren Klingen haben sich aber bis heute nicht durchgesetzt. Ich denke es gibt verschiedene Gründe dafür.

      Das Schneidwerkzeug Messer:
      Damit ein Messer ordentlich schneidet muss es steif sein. In dem Bild „schwächster Punkt im Messer“ kann man sehen wo die größten Bewegungen im Messer auftreten. Das ist allerdings genau die Stelle in der die austauschbare Klinge befestigt ist. Und da hilft auch keine ordentliche Verbindung mittel Schlitz oder so. Jede lösbare Verbindung bewegt sich. Deshalb sehen Schneidemaschinenhersteller keinen wesentlichen Vorteil.
      Im zweiten Bild (Schnittkante) ist ein welliger Schnitt zu sehen. Es gibt Anwender die so etwas nicht wollen. Deshalb versucht man ein ordentliches Material für den Messerträger zu verwenden. Das ist nicht der billigste Stahl. Dazu kommt ein guter Einsatz. Dieser Einsatz ist in den letzten Jahren leider immer dünner geworden. Dadurch verlieren die Messer aber an Steifigkeit und Geradlinigkeit. Und als letzte kommt noch die Verbindung zwischen dem Messerträger und dem Einsatz. Die meisten Messerhersteller verwenden Hartlot um die beiden Teile des Messers zu verbinden. Nur ein Hersteller klebt den Einsatz in den Messerträger. Dadurch wird das Messer bei der Herstellung nicht verspannt und später beim Schleifen nicht krumm (unsere alltägliche Banane beim Messerwechsel).
      Schlussendlich gibt es heutzutage sehr viele unterschiedliche Messer für die verschiedensten Anwendungen. Darunter sind einige die sich nicht durchgesetzt haben.

      Die Standzeit und Kosten:
      Vor vielen Jahren hat ein Schneidemaschinenhersteller damit geworben den schnellsten Messerwechsel in seiner Maschine zu haben. Abgesehen davon, dass die Theorie sowieso relativ ist, haben die anderen Hersteller darüber nur geschmunzelt.
      Heute senkt man Kosten indem man ein gutes Messer verwendet und dadurch wesentlich weniger Messerwechsel durchführt. Das ist effektiver.

      Wenn man sich die Kosten im Einzelnen ansieht, sind das die Folgenden:

      Maschinenstillstand und Personalkosten für den Messerwechsel.
      Hier kann man nicht viel sparen. Das alte Messer wird ausgebaut und einen Kasten gelegt. Das frische Messer wird ausgepackt, gereinigt und eingebaut. Dann wird noch die Schneidleiste gewechselt. Oft ist die Organisation am Arbeitsplatz genauso zeitaufwendig wie der eigentliche Messerwechsel. Das Messer muss irgendwo hergeholt werden. Meistens gibt es keine ordentlichen Aufbewahrungsmöglichkeiten – Messerregal oder so. Das ausgebaute Messer muss in den Versand gebracht werden. Dann wird der Messerschleifer informiert das er ein Messer abholen kann, etc. Wenn man seriös die einzelnen Zeiten des Messerwechsels erfasst erkennt man, dass die Nebenarbeiten oft länger dauern.

      Transportkosten zum Schleifer und zurück
      Hier kann man auch nicht viel sparen. Außerdem hat man keinen wirklichen Überblick über diese Kosten, denn meist transportiert der Messerschleifer die Messer auch.

      Schleifkosten (je nach Messerart unterschiedlich)
      Bei den Schleifkosten würde ich nicht das Sparen, sondern die Schleifqualität an die erste Stelle setzen. Selbst wenn die Schleifkosten doppelt so hoch sind und ich nur jeden zweiten Messerwechsel machen muss, habe ich schon gewonnen. Denn das Messer hat bei doppelter lebenszweit einen anderen Preis.

      Neukauf wenn das Messer verbraucht ist
      Auch beim Neukauf würde ich mir überlegen ob ich Qualität einsetzen muss und ob es mir Vorteile bringt. Hier ist dann wieder die Standzeit und damit auch die Lebensdauer eines Messers gefragt.
      Will ich die Kosten senken gibt es nur einen Weg weniger Messerwechsel! Dazu gehört auch ein ordentlich durchgeführter Messerwechsel. Wenn man mit dem Messer nicht vorsichtig umgeht und/oder es gleich zu tief in die Schneidleiste einstellt bekommt man sowieso keine hohe Standzeit.

      Geschäftsmodelle für Messerverkauf und das Schleifen:
      Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Geschäftsmodelle. Die klassische Variante ist es sich ein oder besser zwei Messer zu kaufen und diese dann zum Messerschleifer zu geben. Das funktioniert ganz gut. Die Messerschleifer sind im deutschsprachigen Raum in der Regel ordentlich machen eine gute Arbeit. Trotzdem empfiehlt es sich bei Problemen einen anderen Messerschleifer auszuprobieren. So kann man zumindest einigermaßen zwischen der Schleifqualität unterscheiden.
      Das zweite Geschäftsmodell ist auf eine monatliche Miete ausgelegt. Der Kunde mietet Messer und der Messerschleifer sorgt dafür, dass immer ein ordentliches Messer zur Verfügung steht.

      Noch ein Wort zu Sicherheit
      Ich habe ein Foto auf der Internet-Seite von Dienes zum Wechsel einer einzelnen Messerklinge gesehen. Ich hoffe dass heutzutage niemand mehr einen Messerwechsel ohne richtigen Messerschutz durchführt. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass so etwas erlaubt ist. Ein Schneidmaschinenhersteller würde von der BG ausgelacht werden, wenn er so einen Messerwechsel empfehlen würde. Es ist wichtig, dass die Klinge währen des ganzen Messerwechsels wirklich geschützt ist. Selbst für ältere Maschinen werden Messerwechselwerkzeuge als Nachrüstung empfohlen. Sicherheit ist manchmal hinderlich, das will ich gerne zu geben. Aber wenn etwas passiert sind alle vorher durchgeführten Kalkulationen weg gewischt! Und zurück gibt es nicht.

      Fazit:
      Eine auswechselbare Klinge kann nur aus dem gleichen Material bestehen wie der feste Einsatz in einem klassischen Messer. Dann muss ich mich frage wo ist der Nutzen? Wo ist der Vorteil?
      Wie schon beschrieben habe ich von den Wechselklingen gehört. Jedoch habe ich selber bis jetzt keinen Vorteile feststellen können, noch habe ich eine wirklich positive Information. Soweit ich weiß funktioniert diese Art des Messers. Ich würde bei wirklichem Interesse eine Probe vorschlagen. Ist der Mehraufwand bei Messerwechsel (denn ich habe ja jetzt eine Reihe Messerschrauben mehr) vernachlässigbar? Ist die Schnittqualität gleich? Usw.

      Buntpapier
    • Hi Buntpapier,

      danke für Deine ausführliche Antwort. Es ist immer eine Bereicherung Deine Beiträge und Antworten zu lesen.

      Irgendwie hast Du meine Vorahnung bestätigt mich kann das ganze System auch nicht überzeugen.
      Ich sehe auch so keinen Zeitvorteil beim Messerwechsel bzw Klingenwechsel da ich mindestens genauso viele Schrauben öffnen muss und ich das ganze auch wieder Justieren muss da die Klinge ja nach dem Schleifen kleiner ist.

      Das mit dem Thema Sicherheit ist mir auch aufgefallen also sowas geht ja wohl gar nicht wie das da Abgebildet ist!

      Bei uns hält ein Hartmetall Messer in der Regel mindestens eine Woche und wir schneiden eigentlich alles drauf auch Folie oder Kartons und bei den oft niedrigen Auflagen die wir haben macht es wenig Sinn jedesmal dann die Klinge zu wechseln nur damit man für das Material die passende Klinge in der Maschine hat. Da hab ich dann am Ende des Tages 5x Klingen gewechselt und die hälfte der Arbeit steht noch da und warscheinlich hab ich mir noch die Finger abgeschnitten wegen dem fehlenden Messerschutz.

      Also nochmal vielen Dank für deine Antwort,

      Gruß Bubi-TS
    • Der Text stammt aus einem Buch, das ich vor 20 Jahren begonnen hatte. Dieses Buch benutze ich für Schulungen. In den letzten Jahren gab es aber einige Neuerungen. Deshalb habe ich den Text etwas geändert.
      Das Kapitel Messer ist in dem Buch aber sehr viel umfangreicher (etwa 35 Seiten), denn Servicetechniker müssen mehr über das Material Hartmetall und das Schleifen wissen. Dazu kommt noch einiges zur Überprüfung von Messern. Ich habe mir deshalb in den letzten Jahren ein Prüfgerät gebaut und drei Mikroskope gekauft. Jetzt sehe ich alles und messe die Kräfte die beim Schneiden entstehen.
      Ich bin dabei dieses alte Buch zu überarbeiten. Vielleicht schaffe ich es diesen Spaß irgendwann fertig zu machen. Und dann überlege ich mir ob ich das Buch veröffentliche. Dann würde ich es digital drucken lassen und selbst binden. Das wäre doch lustig.

      Aber erst kommt das Lexikon hier im Forum und dann sehen wir weiter!!!

      Buntpapier