kürzer/ länger Leperello

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    • kürzer/ länger Leperello

      Hallo Buchbinder Geminschaft :)

      Habe über alle geschaut ob es ein ähnliches thema gibt, aber nichts gefunden.
      Nun zu meiner Frage.

      Ich bin im zweiten Lehrjahr und beherrsche immer noch nicht die Feineinstellung, welchen Bruch man länger oder lürzer machen muss damit es am ende passt. Das alle Brüche übereinander passen.

      Wenn z.b der Leperello 4 Brüche hat , und der 3 Bruch zu lang ist, wie geh ich da vor???

      Vielleicht könnt ihr mir da helfen? :(
    • Ich mache das immer so, das ich die Brüche mal grob einstelle und dann mich von Bruch zu Bruch vorarbeite. Ich mache die Walzen die nach dem letzten Bruch kommen immer erst mal sehr weit, denn oft stimmt die Einstellung der Taschen zwar....aber durch einen Doppelbruch durch zu enge Walzen passt es dann wieder nicht. Ist oft eine Spielerei mit der Walzeneinstellung nach den Brüchen...überhaupt wenn dann noch eine Perfo rein muss die ja auch gerade sein sollte.

      Gruß
    • Wichtig sind vor allem der erste und der letzte Bruch. Im Normalfall stellt man den ersten Bruch genau ein. Entweder auf das gewünschte Endformat, oder halt da wo man anfalzen muss, zum Beispiel ein Bild oder dergleichen. Hat der Schneider im Vorfeld gut gearbeitet sollte das Einstellen auf das Endformat passen. Stimmt der erste Bruch, passt man, wie Toscout schon richtig erläutert hat, die weiteren Brüche an. Zuerst der zweite, dann der dritte und so weiter. Ist man beim letzten Bruch angekommen, merkt man häufig das hier was noch nicht passt. Entweder ist dann die letzte Klappe zu lang,oder zu kurz. Ist der letzte Bruch zu lang, müssen alle vorigen Brüche minimal verlängert werden, bis alle Klappen deckungsgleich sind. Bei zu kurzer letzter Klappe eben alle verkürzen.
    • Hallo Prinzkail!

      Grundsätzlich wird es immer wieder vorkommen, dass Du den Eindruck hast das sich ein Bruch verstellt.
      Wenn Du Papier als etwas ständig Gleiches verstehst, hast Du ein großes Problem.
      Sieh Dir einen gerüttelten Stapel Papier im Rüttler an. Da kannst Du fast immer den Rhythmus vom Querschneider sehen. Die Bogen sind fast immer unterschiedlich lang und breit. Denn in der Papierfabrik werden die einzelnen Rollen nicht sortiert. Die Mittelbahn kommt mit äußeren Bahnen zusammen. Und weil die Bestandteile im Papier und auch deren Dicke ständig (5-10%) schwanken, kannst Du das Ergebnis sogar mit dem bloßen Auge sehen. Wenn Du am Papier auf dem Rüttler den Rhythmus zählst, weißt Du wie viele Rollen im Querschneider zusammen gelaufen sind. Wird Papier gefalzt werden die einzelnen Bogen auch immer wieder etwas unterschiedlich reagieren. Du kannst nicht alle Bogen 100%ig genau gleich falzen. Natürlich versucht man mit den Gummis auf den Falzwalzen die Papierschwankungen auszugleichen, aber ganz wird das nicht funktionieren. Deshalb hat jeder Bediener seine eigenen Erfahrungen. Etwas strammer, etwas lockerer, je nach Papiersorte und so weiter.
      Aber das funktioniert auch nur bedingt. Wenn ein Auftrag nur eine Palette oder weniger ausmacht sind die Schwankungen relativ gering. Wenn ein Auftrag aber aus vielen Paletten besteht kann Du das Gefühl haben, dass das Papier von Palette zu Palette anderes ist. Und das Papier, das wir im letzten Jahr verarbeitet haben ist nicht mehr das Papier was wir nächstes Jahr verarbeiten werden.
      Dann haben wir den Druck als solches. Glaub ja nicht, das alle Druckbogen gleich gedruckt sind. Auch hier gibt es Schwankungen. Das ist völlig normal.
      Hinzu kommen die Bedingungen an Deinem persönlichen Arbeitsplatz. Das Papier im Drucksaal ist in der Regel feuchter als an der Falzmaschine. Wichtig ist auch die Zeit des „Trocknens“ zwischen Druck und Weiterverarbeitung. Die oberen Bogen des Stapels sind wesentlich trockener (und damit kleiner) als die folgenden. So gibt es Spezialisten, die ihr ganzes Leben nichts anders gemachten haben als Papier, deren Klimatisierung und die daraus entstehenden Folgen zu verstehen und zu beschreiben.
      Als nächstes kommt natürlich der Zustand der Maschine hinzu.
      Was ich sagen will, ist – Schwankungen sind völlig normal.

      Und als letzter Faktor gibt es den Bediener an der Maschine. Ein normaler Bediener stapelt sein Papier in die Maschine stellt die Taschen, etc. ein und denkt nicht weiter über das Ganze nach. Du bist einen Schritt weiter. Das ist super, denn der Bediener hat auch die Aufgabe die ewigen Schwankungen möglichst pfiffig auszugleichen. Und das ist manchmal wirklich nicht einfach.

      Nun zurück zu Deiner Fragen Was ist wenn …….
      Da hilft eigentlich nur eins. Immer eine ordentliche Qualitätskontrolle durchführen und im Rahmen des verkaufbaren (!) die notwendigen Einstellungen an der Maschine durchführen. Das ist klugscheißerisch, das weiß ich, aber das ist unser täglicher Kampf mit den äußeren Bedingungen. Das Dumme ist natürlich, dass man bei einem Leporello immer alle Schwankungen sofort sehen kann. Das ist ja kein Halbfertigprodukt wie eine Falzlage für den Sammelhefter mit nachfolgendem Beschnitt im Trimmer.

      Manchmal ist es frustrierend, aber es ist doch auch toll wenn man ein gutes Ergebnis hinbekommen hat, oder?

      Buntpapier
    • danke für eure hilfen aber ich verstehe das immer noch nicht genau...

      wenn ich z.b den ersten bruch einstelle, welcher andere bruch dann plögzlich länger oder kürzer wird....

      Ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen


      Wenn es dazu ein video geben würde,wie man z.b einen 6 bruch lepperello einstellt

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von prinzkail ()

    • allo Prinzkail!

      Ja, das ist verzwickt. Du hast zwei Dinge die Du beachten musst.

      Zum einen hast Du das Format. Denn alle Teile im Leporello sollen ja am Ende möglichst gleich lang sein.
      Zum anderen hast Du den Stand des Druckbildes. Und auch hier sollte das Druckbild auf allen Seiten ordentlich platziert sein.

      Wenn man an der Falzmaschine steht kann sehr schnell die beiden Dinge „Stand“ und „Format“ durcheinander bringen. In dem Bild siehst Du was passiert wenn Du die Taschenlängen änderst.
      Ich würde Dir empfehlen erst mit weißem unbedrucktem Papier zu beginnen. Bei dieser Übung bekommst Du ein Gefühl für das Format.
      Im richtigen Leben kommt dann sowieso noch das Druckbild dazu. Hier kannst Du Dir helfen, in dem Du einen Bogen möglichst genau von Hand knickst. Es kann ja sein, dass die Arbeit an der Schneidemaschine nicht so ideal war.

      Buntpapier