Kleber für Papier speziell Einband

    Du bist neu hier? Registriere Dich doch noch heute und diskutiere mit Fachleuten aus Deiner Branche. Buchbinder.club ist und bleibt KOSTENLOS.

    • Hallo Schwabe12345!

      Zu diesem Thema kann man wohl mehrere Bücher schreiben.
      Beim Kleben für den Hobbybuchbinder kommt es auf vier Faktoren an.

      Der Klebstoff muss natürlich halten, bzw. an etwas haften. Das ist aber bei den Werkstoffen die auf Papier und Pappe basieren eigentlich kein Problem. Man nennt diese Fähigkeit des Klebstoffes Adhäsion. Damit wird beschrieben wie sich der Klebstoff mit anderen Stoffen verbindet. Die üblichen Klebstoffe wie Planatol (um nur einen zu nennen) sind völlig ausreichend. Aber auch Kleister besitzen eine gute Adhäsion.
      Der nächste Faktor ist die Kohäsion. Das ist die innere Haltbarkeit des Klebstoffes auch hier kann man sagen, dass die handelsüblichen Klebstoffe völlig ausreichend sind.
      Der dritte Faktor darf nicht unterschätz werden. Das ist die offene Zeit. Als offene Zeit bezeichnet man wie lange der Klebstoff vor dem eigentlichen Abbinden verarbeitungsfähig ist. Das ist zum Beispiel beim Kästen bauen eine sehr wichtige Sache. Ich habe gelernt, dass man beim Beziehen von Kästen in erster Linie Kleister verwendet. Da kann man besonders die inneren Teile sehr schön lange schieben und andrücken.
      Der vierte Faktor ist der Wassergehalt. Je mehr Wasser im Klebstoff ist, umso mehr dehnt sich der bestrichene Werkstoff. Beim Ankleben des Vorsatzes an den Buchdeckel würde ich niemals reinen Planatol-Kleber nehmen. Ich würde den Klebstoff immer verdünnen. Das gibt mehr Dehnung und am Ende Zug für das Vorsatz. Die Deckel werden dann nicht so leicht nach außen krumm.

      Das schöne bei den Klebstoffen wie Planatol und Kleister ist, dass man diese beiden Varianten gut mischen. Braucht man eine längere offene Zeit, kann man mehr Kleister verwenden. Braucht man mehr Dehnung kommt mehr Wasser in den Klebstoff. Ich habe grundsätzlich drei Sorten Klebstoff bei mir. Reinen Planatol, mit Wasserverdünnten Planatol (zum Einhängen) und Kleister. Bei der Verarbeitung bin ich nicht zimperlich. Der Pinsel verschwindet mal in dem einen und dann wieder in dem anderen Topf. Wenn ich ein Buch einhänge, beschmiere ich das Vorsatz im Bereich der Gaze und die Hülse mit reinem Planatol. Dort brauche ich Halt. Das restliche Vorsatz bekommt verdünnten Planatol-Kleber. Da brauche ich Zug.

      Will man Bezugsstoff mit Kunstoffanteil oder zum Beispiel Elefantenhaut verarbeiten kann es sein, dass ein normaler Klebstoff nicht ausreicht. Diese Bezugstoffe haben eine geschlossenere Oberfläche als Papier. Und dann nimmt man Klebstoffe, die sich besser mit glatten Oberflächen verbinden.
      Der PH-Wert (basisch beim Restaurieren, sauer beim Klebebinden) ist für das Hobbybuchbinden nicht wichtig.
      Die Antwort auf Deine Frage wäre also. Ich verarbeite beim Bucherbinden meist Planatol BB. Das ist der einfache Klebstoff von Panatol. Es gibt auch noch den Superior. Der ist etwas haltbarer. Ich habe aber nie wirklich einen Unterschied bemerkt.

      Buntpapier