Ledermesser schärfen

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    • Hallo Kerstin!

      Erst einmal herzlich willkommen im Buchbinderclub.

      Deine Frage ist eine sehr Übliche. Mir macht diese Frage Spaß, denn die meisten Leute laufen davor weg. Nicht nur bei den Buchbindern auch bei Schreinern, Zimmerleuten usw. wird es schnell zu einer großen Enttäuschung wenn die Schneidegeräte nicht mehr funktionieren.
      Bei den Buchbindern gibt es verschiedene Messer die geschliffen oder nicht geschliffen werden können.

      Normales Messer
      Früher hatten die Buchbinder ein Messer um Papier, dünne Pappen, Bezugstoffe und Leder zuschneiden zu können. Diese Messer haben die Buchbinder selbst geschliffen. Bei einem normalen Messer werden beide Klingenseiten geschliffen und am besten danach abgezogen.

      Cutter
      Heute werden fast nur noch die Cutter mit den abbrechbaren Klingen benutzt. Diese Cutter gibt’s in jedem Baumarkt und sind gut. Beim Abbrechen der Klinge muss man etwas aufpassen, dass man sich nicht verletzt. Der harte Stahl platzt plötzlich und das abgebrochene vordere Reststück fliegt explosionsartig weg. Viele Cutter haben deshalb ein Werkzeug für das Abbrechen.

      Lederschärfmesser
      Das Lederschärfmesser hat eine recht breite Klinge, das vorn schräg angeschliffen ist. Es gibt auch andere Schliffformen wie zum Beispiel vorne rund. Das Lederschärfmesser wird nur einseitig (!) geschliffen und danach abgezogen.

      Lederschärfgerät (z.B. Schärffix)
      Die Lederschärfgeräte besitzen die alten handelsüblichen Rasierklingen als Schneidwerkzeug. Diese Rasierklingen sollten man nicht nachschleifen, sondern austauschen. Das funktioniert auch ordentlich. Ein Problem ist aber heute richtig gute Rasierklingen zu bekommen, denn es gibt enorme Qualitätsunterschiede. Früher waren Rotbartklingen die besten.

      Schleifwerkzeuge
      Mein Lehrmeister war geschätzte hundert Jahre alt und liebte alte Techniken. Er hat Graupappenreste mit Schmiergelpapier bezogen und damit die Messer geschliffen. So hatte er grobes (etwa 200er) und sehr feines (400er) schwarzes Leinenschmiergelpapier. Der Vorteil ist, dass das Schleifpapier auf der Graupappe steif und gerade ist. Man kann das Messer in jedem Winkel über das Schleifpapier führen. Die Kosten für zwei Bogen schwarzes Leinenschmiergelpapier und etwas Graupappe sind verschwindend klein. Das billige Schmiergelpapier aus dem Baumarkt geht auch lebt aber nicht lange.

      Schleifgeräte
      Es gibt auch wunderschöne Schleifmaschinen für sehr viel Geld. Ich habe ein schwedisches Gerät für meine Stemmeisen und Hobelmesser. Ich schleife jeden Monat etwa zehn Messer. Dazu kommen ein kleines Werkzeug (Halter) und japanische Schleifsteine zum Abziehen. Jetzt habe ich mir einen gebrauchten Elektroschreiber gekauft. Damit kann ich die Werkzeuge beschriften und muss dann nicht bei jedem Schleifvorgang wieder von vorn anfangen. Meine Gerätschaften kosten etwa 800 Euro. Da fragt man sich sehr schnell was sich hier lohnt. Aber das Ergebnis ist genial. Und so kommen die örtlichen Schreiner zu mir. Ääääh, kannst du mal???

      Schleifvorgang
      Wenn man sich ein fabrikneues Messer ansieht kann man sehen wie es geschliffen werden muss. Normale Messer werden von beiden Seiten geschliffen. Beim Schleifen entsteht ein Grad der mit einem feinen Schleifmaterial entfernt (abgezogen) wird. Sind keine großen Macken in der Schneide kann ein Schleifen mit feinem Schleifmaterial ausreichen.

      Das eigentliche Problem
      Normalerweise müsste man ein neues Messer auch erst schleifen. Und normalerweise müsste jeder sein eigenes Werkzeug pflegen. Das schreibe ich nicht um schlau zu erscheinen.
      Wenn man mit einem Schneidwerkzeug arbeitet braucht man Erfahrung. Die Handhabung des Schneidwerkzeuges muss gelernt sein. Das gilt auch für Leder. Leder ist nicht homogen. Es gibt weiche Zonen und dann wieder harte Zonen. Kann man sein Messer gut schleifen hat man den Umgang mit dem Messer schon fast gelernt. Und vor allen Dingen kann man dann beurteilen wann das Messer stumpf ist und wann die Benutzung fehlerhaft ist. Und wenn man irgendwann richtig gut ist erkennt man, dass jeder Mensch seine eigene Art zu arbeiten hat und dafür auch seinen eigenen Anschliff braucht.
      Dieses Lernen (und deshalb heißt dieser Absatz „das eigentliche Problem“) kann man leider nicht über Nacht lernen. Es muss also eine Alternative her.
      Früher gab es Scherenschleifer. Ich weiß nicht ob es so etwas noch gibt. Diese Leute haben auch Messer geschliffen. Heute könnte man auch zu einer Messerschleiferei für Buchbindereimesser gehen. In diesem Bereich gibt es gute und seeeehr gute Leute. Auch hier ist wieder die Professionalität des Schleifers gefragt.

      Ich hoffe das hilft etwas weiter. Außerdem hoffe ich, dass wir hier erfahren wie die Geschichte ausgegangen ist und das wichtigste wie die Prüfung dann gelaufen ist.
      Viel Glück dafür!!!!!!!!!!!!!!!!!
      Buntpapier
    • Hallo Kerstin,
      willkommen an Bord :) . Ich würde Dir raten zu versuchen das Lederschärfmesser nur auf einem Stein ab zu ziehen um die Schärfe wieder her zustellen. Wenn das Messer nicht zuuu stumpf ist wäre auch ein Schärfstein ( Solnhofer Platte) geeignet. Ansonsten brauchst halt einen richtigem flachen Schleifstein und Spucke (zum Anreiben) um das Messer , leicht angewinkelt, drüber kreisen zu lassen. Nur eine Seite des Messers unter Druck anschleifen. Man kann das irgendwie schwer beschreiben. Am besten wäre es natürlich, wenn es Dir dein Lehrmeister mal zeigt und Dich üben lässt. Am Allerbesten (!) wäre es, wenn er Dir das Messer vor der Prüfung nochmal gut scharf macht! ;)
      Ich wünsche Dir viel Zeit, damit Du das noch üben kannst, denn in eine Schleiferei würde ich das Messer nicht geben.
      Viel Erfolg und keine Panik in der Prüfung! Du schaffst das!
      Gruß Papierfrau