Buchrücken hängt durch (konkav). Was tun?

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    • Buchrücken hängt durch (konkav). Was tun?

      Liebe Buchbinderfreunde

      Ich bin ABB (Amateur Buchbinder) im 2. Lehrjahr (d.h. ich mache dies seit ca. 1.5 Jahren) und habe bereits einige Projekte erledigt (neue Einbände, neue Buchschuber, etc.)

      Immer wieder mal kommt es vor, dass bei einem Buch, welches einen neuen Einband erhalten soll, der Buchrücken konkav ist anstatt schön konvex gerundet ist, das heisst, er hängt durch (siehe Foto!) Vor allem kommt das vor bei Bibeln mit vielen Bünden und Dünndruckpapier.

      Wie kriege ich solche Buchblöcke wieder schon gerundet (konvex) hin?

      (Was ich bereits schon gemacht habe: Alter Leim entfernt, gereinigt, dann neues Shirting drauf und alles gut verleimt (mit Planatol BB). Dann wieder rundgeklopft. Hat aber nicht viel geholfen. Der Buchblock "erinnerte" sich wieder an seine konkave Form ...)

      Bin froh um jeden Hinweis.

      Liebe Grüsse aus der Schweiz
      Sukramutu

      Bilder
      • IMG_4981.jpg

        476,08 kB, 2.448×3.264, 24 mal angesehen
    • Hallo Sukramutu!
      Erst einmal herzlich willkommen im Buchbinderclub.
      Das Buch auf den Fotos ist doch sicherlich fadengeheftet. Bei industriell gehefteten Buchblöcken (Innenteil) leiern die Fäden leider nach häufigem Gebrauch stark aus. Die dünnen Fäden schneiden das Papier an den Löchern etwas ein und dann hat der Faden Spiel. Das ist die erste Schwierigkeit. Da nutzt dann auch das beste Leimen und Hinterkleben nichts. Denn man erreicht ja nur immer die äußeren Blätter der Hefte / Lagen und der alte Faden wird nicht strammer.
      Auf den Fotos hat das Buch einen geraden Rücken. Das heißt, der Buchblock muss am Rücken (also dort wo der Faden liegt und aufträgt) nach dem heften nur wenig dicker sein als der Rest vom Buchblock. Wenn man so einen Buchblock heftet muss man die richtige Fadenstärke benutzen. Das setzt einiges an Erfahrung voraus. Das ist die zweite Schwierigkeit. Denn das Auftragen des Buchblockes ist wichtig für die Form. Umso mehr der Buchblock aufträgt, umso weniger ist das Risiko, das er durchhängt. Schlimmstenfalls muss man den Buchblock zweimal heften.
      Ich denke das Buch auf den Fotos wird aus etwa 16 Lagen geheftet worden sein. Außerdem sehen die einzelnen Lagen recht dick aus. Wahrscheinlich sind es 32 Seiten pro Lage. Das ist ein Vorteil, denn dann ist die einzelne Lage recht dick und der Faden kann, wenn man den Buchblock mit zu dickem Faden geheftet hat etwas niederhalten. Der Begriff Niederhalten meint, das man den Buchrücken wenn er zu viel aufträgt vorsichtig herunterklopft oder vorsichtig presst.
      Ich würde wie folgt vorgehen. Zuerst den Buchblock aus der Decke lösen, das Vorsatz entfernen und die alte Fadenheftung aufschneiden. Danach müssen die äußeren Blätter der einzelnen Hefte etwas vom alten Leim befreit werden. Man kann die Blätter, wenn sie im Falz beschädigt sind, mit einem schmalen Streifen Japanpapier hinterkleben.
      Dann folgt das neue heften des Buchblocks. Ist der Buchblock geheftet wäre es für mich ideal wenn der Buchblock um eine Buchdeckelstärke aufträgt. Das ist nicht viel. Aber bei einem geraden Rücken ist die Decke im Bereich des Buchs schmäler als bei einem runden Rücken. Bei dem Buch auf dem Foto ist der Rückenstreifen der Decke recht schmal. Trägt der Bochblock stark auf wird es in einer Decke mit schmalem Rücken recht eng. Wird der Buchblock nach dem neuerlichen heften minimal beschnitten, wird der Buchblock kleiner und vielleicht schon recht klein für die alte Decke. Trägt der Buchrücken jetzt etwas auf, wird die Decke enger und die Deckel wandern etwas in Richtung Buchrücken.
      Also grundsätzlich sehe ich das neue heften des Buchblocks als Voraussetzung für eine ordentliche Form des Buchblocks.
      Bundpapier
    • Lieber (oder: liebes?) Buntpapier

      Ganz, ganz herzlichen Dank für diese ausführlichen Antworten und Erklärungen. Als gelernter Feinmechaniker (seit Jahrzehnten aber in der IT tätig) beginne ich die "inneren Geheimnisse" eines Buchblocks zu verstehen, dank deinen Erläuterungen!

      Mit Binden habe ich nur wenig Erfahrungen (das letzte Mal war vor ca. 30 Jahren ...). Ich werde mir den Buchblock nochmals ansehen und dann entscheiden mit dem "Kunden" zusammen, was ich machen werden.

      Nochmals herzlichen Dank!
      Sukramutu aus der Schweiz